Wünschenswertes (St. Pauls Church, Baltimore, USA, 1692)
Geh deinen Weg ruhig - mitten in Lärm und Hast -
und wisse, welchen Frieden die Stille dir schenken kann.

Steh mit allen auf gutem Fuß, wenn es geht,
aber gib dich nicht selber dabei auf.

Sag die Wahrheit immer ruhig und klar,
und höre die anderen auch an,
selbst die langweilig Stumpfen -
auch sie haben ihre Geschichte.

Laute und zänkische Menschen meide.
Sie sind eine Plage für dein Gemüt.

Wenn du dich selbst mit anderen vergleichen willst, wisse,
daß Eitelkeit oder Bitterkeit auf dich warten; denn es wird
immer größere und geringere Leute geben als dich.

Freue dich an deinen Erfolgen und an deinen Plänen.
Strebe wohl danach, weiterzukommen, doch bleibe bescheiden:
Das ist ein guter Besitz im wechselnden Glück des Lebens.

Übe dich in Vorsicht bei deinen Geschäften:
Die Welt ist voll von Tücke und Betrug.
Aber werde dadurch nicht blind für das, was dir an Tugend begegnet.
Es gibt so viele, die sich um Gutes bemühen,
und im Leben um dich verbirgt sich viel Heldentum.

Sei du selbst!
Vor allem: heuchle keine Zuneigung, wo du sie nicht spürst;
doch denke auch nicht verächtlich von der Liebe, wo sie sich wieder regt.
Sie erfährt so viel Entzauberung, erträgt so viel Dürre,
und wächst doch so voller Ausdauer immer wieder neu wie das Gras.

Nimm den Ratschluss der Jahre mit Freundlichkeit an
und gib deine Jugend mit Anmut zurück, wenn sie endet.

Pflege die Kräfte deines Gemütes,
damit es dich schützen kann, wenn Unglück dich trifft:
aber erschöpfe dich nicht durch dunkle Vorahnungen.
Viele Ängste entstehen nur aus Verlassenheit und Erschöpfung.

Erwarte eine heilsame Selbstbeherrschung von dir,
im übrigen aber sei freundlich und sanft zu dir selber.
Du bist ein Kind der Schöpfung,
nicht weniger als die Bäume und Sterne es sind.
Du hast ein Recht darauf hier zu sein.
Und ob du es merkst oder nicht, ohne Zweifel
entfaltet die Schöpfung sich so, wie sie es soll.

Lebe darum im Frieden mit Gott,
wie immer du ihn jetzt für dich begreifst; und was auch immer
deine Mühen und Träume sind in der verwirrenden Unruhe
des Lebens, halte Frieden mit deiner eigenen Seele.

Mit all ihrem Trug, ihrer Plackerei und ihren zeronnenen Träumen:
die Welt ist immer noch schön!
Lebe sorgfältig. Versuche glücklich zu sein.