Hans-Roderich Hillen
geboren 12.3.1936, gestorben 18.2.2006


Mein Vater ist am 18.2. um 12.03 im Krankenhaus Siegburg, Intensivstation 23, verstorben, ohne das Bewusstsein wieder zu erlangen, nachdem er am 15.2. urplötzlich einen Herz- und Atemstillstand erlitt.


Vor dem Tag des Begäbnisses, 1.3.2006:

Morgen ist es soweit - morgen um 14 Uhr wird mein Vater beerdigt. Ich muss noch die "Laudatio" schreiben, die ich in der Kirche verlesen soll; meine Hosen habe ich heute abend zum Trocknen aufgehängt in der Hoffnung, daß ich morgen nicht mit nassen Hosen am Grab stehen muss und morgen wird mein Vater beerdigt.

Ich habe dreiunddreißig Leuten erklärt, daß und warum ich morgen nicht zur Arbeit komme; ich habe in 8 Stunden soviel geschafft wie sonst in 30 Minuten. Ich habe meinen Chef getröstet, der von Kollegen hängen gelassen wird; ich habe einem schwerbehinderten Kollegen, der sich offenbar unbedingt selbst rausbefördern möchte, noch nicht auf seine E-Mail geantwortet und morgen wird mein Vater beerdigt.

Ich habe mich mit einem Kollegen herumgestritten, was genau jetzt bei der Personaleinteilung eingetragen werden soll; ich habe gesagt, daß ich vielleicht Interesse hätte, für den Betriebsrat zu kandidieren; ich habe eine Mail geschrieben und dieselbe nach drei Minuten wieder zurückgerufen und morgen wird mein Vater beerdigt.

Ich habe mich über eine Kollegin aufgeregt, die glaubt, daß auf Zuruf alle springen müssen; ich habe einem Mann Glück gewünscht, der morgen erfahren wird, ob er weiterhin die Telekom beliefert. Ich habe meine Kollegen informiert, wer das Telefon übernommen hat und ich habe den "magischen Schlüssel" an einen anderen Kollegen gegeben, auf daß er ihn hüte, bis ich wieder da bin. Und morgen wird mein Vater beerdigt.

Ich bin wie betäubt, ich habe die ganze Geschichte so oft in Bruchstücken erzählt, ich habe sie abgewandelt, um die einen nicht zu verletzen, um die anderen nicht zu verschrecken, um nicht selbst den Verstand zu verlieren.

Ich erzähle sie Euch, wenn wir zusammen sind - und Ihr werdet vielleicht ein bisschen weinen und ich vielleicht mit euch, weil ich derzeit und seitdem und immer noch keine Tränen habe und innerlich wie tot bin, keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit.

Zeit - sie ist uns gegeben und sie wird uns genommen, aber immer haben wir davon zu wenig. Zu wenig Zeit, in den Arm zu nehmen; zu wenig Zeit, ein paar nette Worte zu sagen; zu wenig Zeit zu lieben. Zu wenig, zu viel, zu immerfort.....