Hans-Roderich Hillen
geboren 12.3.1936, gestorben 18.2.2006


Mein Vater ist am 18.2. um 12.03 im Krankenhaus Siegburg, Intensivstation 23, verstorben, ohne das Bewusstsein wieder zu erlangen, nachdem er am 15.2. urplötzlich einen Herz- und Atemstillstand erlitt.


Stille Zeit
(Birgit Dreiskemper)

Hier stehe ich, blicke auf Dich nieder.
Starre auf Bildschirme, versuche Zahlen zu lesen.
Ich blicke zurück und finde dich in der Vergangenheit.
Ich versuche die Zukunft zu sehen - und finde mich wieder
vor der Wand, die mir die Zukunft verbirgt.

Je länger ich nachdenke, um so mehr Facetten
Deiner Persönlichkeit, deiner Seele kommen mir in den Sinn.
Für einiges hätte ich gerne mehr Zeit gehabt,
wohl wissen, daß ich die Zeit wahrscheinlich
auch nicht besser genutzt hätte,
als ich sie bis jetzt genutzt habe.

Aber ich weiß,
daß es gut ist.
Ich weiß,
daß Du weißt
daß Du geliebt wurdest,
daß Du mein Leben gehalten hast
an seidenem Faden.

Nun stehe ich hier,
auf heiligem Boden.
Sehe in Dein Gesicht -
und finde mich selbst dort wieder.
Ich trage Dich weiter
in Ehren
und stolz,
aus Dir zu kommen,
was immer auch kommen mag.



Jeder von uns trägt sein eigenes Bild von ihm im Herzen - jeder hatte seine eigene Meinung über ihn.

Er hat sein Leben in zwei Welten gelebt - einer äußeren und deiner inneren Welt. In dem Maße wie ich älter und dir vielleicht ähnlicher wurde, hat er viele Gedanken mit mir geteilt und ich bin dankbar dafür - ich wäre nicht der Mensch geworden, der ich bin, ohne ihn. Er hat mich gelehrt zu hinterfragen, Sinn und Motivation für Handlungen anderer zu suchen, sie anzuerkennen und zu akzeptieren. Seine ausgleichende Gerechtigkeit, sein Sinn für die geistige Ebene hat mich sicherlich besser gemacht.

Es hat für ihn niemals nur schwarz und weiß, gut und schlecht, Sekt oder Selters gegeben - Meinungen, Ansichten, Einstellungen, die Menschen und das Leben hatten für ihn viele Facetten und er hat mich gelehrt, sie zu erkennen, sie zu ergründen und wenn es irgend möglich war, zu verstehen. Ich habe von ihm gelernt, daß es immer mehrere Seiten einer Medaille gibt und daß man jeden Stein umdrehen soll, wie es auf diesem Stein auf seinem Schreibtisch geschrieben stand.

Wenn ich nun an Dich denke, Papa, so glaube ich vor allem eines: daß Du weißt, daß ich -daß wir- Dich liebten. Vor allem, daß wir dich liebten, obwohl du nicht "perfekt" warst. Ich habe Dich geliebt für das, was Du warst. Du warst Mensch, das war das wichtigste und vielleicht die höchste Kunst.