Es ist soweit - Operation(en) Mai 2004
Im Sommer 2003 (diesem irrsinnig, irrsinnig heißen Sommer) wurde es langsam offenbar, daß ich nicht mehr lange warten konnte, daß mir geholfen würde.

Mittlerweile war der Darm so zerstört, daß mein Körper zur Selbsthilfe griff - alles was oben reinkam, wurde meistens postwendend wieder rausbefördert....das, was unten ankam, "sickerte" durch - also ganz abgesehen davon, daß mir ein mittlerweile etwa 30-45cm langes Darmstück hinten rausfiel, hatte der Schließmuskel bösen Schaden davon getragen, weil dieser Mastdarmprolaps teilweise den Umfang einer Grapefruit hatte - folglich gab´s kein Halten.

Ich war extrem dünn und sämtliche Elektrolytwerte waren völlig aus dem Ruder - meine Ärztin schickte mich dann zu dem Chirurgen, der dann auch die Operation letztlich vornehmen sollte. Sehen und vertrauen! Irgendwas hatte er an sich, was mir sagte daß ich gut aufgehoben wäre.

Langer Rede kurzer Sinn: Er riet mir, mich sofort operieren zu lassen und ich teilte ihm mit, daß ich keine Zeit hätte, fing ich doch grade auf einer neuen Arbeitsstelle an.

Am 5. Mai 2004 war es dann soweit: Aufnahme auf Station 1a im St. Josef-Hospital in Beuel bei Bonn. Ich war vom Chirurgen bereits aufgeklärt worden, was man zu tun gedachte und durchlief die üblichen OP-Vorbereitungen wie EKG, Ultraschall, Magen- und Darmspiegelung u.s.w. Alles soweit ok, folglich wurde am Morgen des 7. Mai zum großen Halali geblasen. Geplant war eine laparoskopische Darmteilresektion, Beseitigung des Enddarmprolaps und basta.

Am 8. Mai wachte ich mehr oder weniger auf - Intensivstation. Neben mir ein wirklich netter Mensch, der meine Hand hielt - ich habe erst später erfahren, daß er Anästhesie- und Intensivmediziner ist, in diesem Moment war´s mir gleich. Ich hörte noch irgendwas von "Sie machen ja Sachen" - und segelte erst mal wieder ab.

Am nächsten Morgen wurde ich wieder auf die 1a rückverlegt, der Chirurg tauchte auf um mir nochmals zu erklären, was los war (ich war wohl nicht so aufnahmefähig auf der Intensiv): Nachdem man laparoskopisch, also minimal-invasiv begonnen hatte, stellte sich heraus daß der Darm dermaßen angeschwollen war, daß man nichts durch die Trokare sehen konnte, also entschied man sich im weiteren Verlauf, die Operation mittels Laparotomie (Bauchschnitt) fortzusetzen. Man hat programmgemäß einen Teil des Darmes entfernt und die Enden zusammengefügt "...das Problem war, daß wir nicht näher an den Schließmuskel herangehen wollten, die Sache ist eh recht knapp - und um zu verhindern, daß wir zuviel Darm wegnehmen müssen, haben wir versucht, ein Ende mit großer Wandstärke und eines mit geringer Wandstärke zusammen zu nähen. War eine Heidenarbeit".

Wie´s denn so kommen kann: wenn man ein ur-altes verwracktes Auto zur Reparatur bringt, muss man sich nicht wundern, wenn´s beim Reifenwechseln auseinander fällt. So ähnlich war´s bei mir auch. Ich möchte an dieser Stelle niemanden mit der ausführlichen Story jeder einzelnen Operation quälen, das braucht niemand.  Zu sagen wäre nur Folgendes: Sieben Tage nach dem ersten Eingriff war die nächste OP fällig aufgrund einer Anastomoseninsuffizienz (Narbe aufgegangen), zwei Tage später die nächste wegen Bridenileus (Darmverschluss) aufgrund einer Peritonitis (Bauchfellentzündung), weitere zwei Tage folgte ein Eingriff, um einen Abszess rauszuschneiden.

Es war eine ziemlich haarige Sache und ich kann von Glück sprechen, daß ich davon gekommen bin - dieses habe ich zum einen der Betreuung des Chefarztes der Chirurgie zu verdanken, der sich meines Falles persönlich annahm und seines Teams, dem Pflegepersonal (vor allem vielen Dank den Nachtschwestern für Eure Hilfe!), meinen Eltern und meinem Mann und nicht zuletzt der Unmengen an Schmerzpumpen, die ich verschlissen habe...... Als ich nach  fast drei Monaten wieder aus dem Laden rauskam, kannte mich das gsamte Krankenhauspersonal, mein "Fall" hatte die Runde gemacht und man freute sich herzlich, daß man das geschafft hatte.

Wichtig war: Bei der zweiten Operation wurde mir das Stoma gelegt - und das Ding macht auf seine Art Geschichte...