Wie mache ich es denn "richtig", den Versorgungswechel?
Die zuvor erwähnte "Fachliteratur" des Neu-Stomatikers besteht ja aus den Anleitungen der Hersteller....diese Anleitungen sind sicher von berufenen Menschen geschrieben worden, die sich viele Gedanken um dieses Thema machten - ich möchte nicht unterstellen, daß man hier den Abverkauf von diversen "Hilfsmitteln" ankurbeln möchte, aber der Gedanke liegt schon mal eher nahe.....ich gehe in der Folge gerne darauf ein.

Bitte bedenken Sie beim Folgenden, daß der Versorgungswechsel und wie SIE es schlussendlich halten, eine genauso individuelle Angelegenheit ist wie die restliche Körperhygiene. Wenn ich Ihnen eine Anleitung gäbe, wie Sie sich am besten Duschen sollten, würde ich ihnen vermutlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern!

Aber als kleine Hilfestellung kann man das folgende vielleicht betrachten - und als Anregung zum Nachdenken:

Die Autoren empfehlen jeweils, sich alles schon mal bereit zu legen .. das ist ein guter Ratschlag, er ließe sich z.B. auch auf den Akt des Kartoffelschälens übertragen.

Was Sie brauchen ist folgendes:

Eine
Mülltüte (jede handelsübliche Mülltüte tut es hier, bei Schlecker bekommen Sie glatt 75 Stück für 49 Cent, das ist doch ein Deal, oder?). Ansonsten freuen sich auch alle anderen Plastiktüten über Wiederverwendung, es müssen keine speziellen "Stoma-Müllbeutel" sein - diese belasten nur völlig unnötig die Krankenkassenbudgets und weil es in ihrer Mülltonne vermutlich sowieso nicht nach Rosen riecht, macht es keinen Unterschied, glauben Sie mir.

Eine
Rolle Zewatücher. Oh, werden Sie jetzt sagen, im schlauen Buch steht aber "Kompressen", vielleicht sogar "Vlies-Kompressen" .. auch hier: bedenken Sie, daß diese Dinger rund 6 Euro pro Packung kosten - gehen wir von locker 2 Packungen pro Monat aus, mit geschätzten 100.000 Stomaträgern in Deutschland multipliziert, das macht nach Adam Riese etwa 600.000 Euro im Monat - im Jahr  ca. 7.200.000 Euro, das sind in Worten SIEBEN MILLIONEN ZWEIHUNDERTTAUSEND Euro aus!! Und diese Schätzung ist aller Vermutung nach noch um einiges zu tief gegriffen.

Überlegen Sie sich im Sinne des Gesundheitssystems, ob diese 7.5 Mio. Euro nicht besser anderweitig eingesetzt werden können, anstatt sich den Bauchhintern abzuwischen und die Dinger dann in den Müll zu werfen. Das gleiche und die gleiche Rechnung können Sie für die vom Arzt z.T. verschriebenen Müllbeutel aufmachen - MIR stehen dabei nur noch die Haare zu Berge!

Warum Zewatücher? Sie können natürlich jedes handelsübliche "Haushaltstissue" verwenden, ich liebe die vom Aldi, einfach weil sie preiswert sind. Zewatücher fusseln im Allgemeinen nicht, sie sind auch nass oder feucht prima zum Abwischen geeignet - und sie sind groß! Das ist in so fern von Wichtigkeit, als Sie möglicherweise einen größeren Bereich als nur das Stoma an sich reinigen möchten, das geht mit den fisseligen Kompressen einfach nur halb so gut.

Ich verwende die Zewatücher nur am Ende im trockenen Zustand, alles andere vorher wird mit nassem bzw. feuchtem Zewa erledigt.

Beutel, Platte, Schere: Im Idealfall haben Sie, besonders als "Anfänger", die Platte bereits ausgeschnitten, so daß die Öffnung eng um das Stoma herumpasst - dazu später noch mehr unter "Techniken für den Versorgungswechsel". Sie sollten als Beginner auf keinen Fall das Kunststück versuchen, gleichzeitig ihr Stoma unter Kontrolle zu behalten, die Platte auszuschneiden und möglicherweise dabei noch Wimpern zu färben - das ist definitiv das Feld der Virtuosen. Sie werden das noch schaffen, aber nicht zu Anfangs.

Also, schneiden Sie sich die Platte zurecht, legen Sie sie gut erreichbar, zusammen mit dem Beutel an einen Ort, wo auch die Gefahr des Herunterfallens nicht gegeben ist.

Zwei bis drei Wäscheklammern! Sie erfahren unter "Techniken beim Versorgungswechsel, warum.


und
Hilfsmittel, wenn notwendig:

Viele Patienten empfinden z.B. einen flüssigen Pflasterlöser als riesige Erleichterung - sie kriegen damit die Platte ohne Falten um die Augen herunter und schaden tut es ihrer Haut auch nicht. Später werden Sie darauf vermutlich verzichten, am Anfang würde ich auf jeden Fall dazu raten. Pflasterlöser ist ein rezeptierbares Hilfsmittel!

Wundschutzspray oder -lotion sollten Sie IMMER im Hause haben - ihr Stoma selbst wird mit der Zeit völlig unemfindlich (nicht vergessen, der Darm selbst hat keine Schmerzrezeptoren!), aber die Haut drum herum könnte gelitten haben, wenn sie in Kontakt mit den Ausscheidungen kam - zum einen könnte die Platte nicht so gut halten, zum anderen ist es nie gut, eine Versorgungs-Basisplatte direkt auf gereizte Haut zu kleben - ich empfehle hier ausdrücklich das Cavilon Wundschutzspray von 3M, Sie sollten wirklich nichts anderes nehmen! Auf keinen Fall Sprühpflaster o.ä. - diese enthalten Alkohol und glauben Sie mir, das möchten Sie nicht erleben, das tut höllisch weh. Nachdem ich es einmal, um zu sparen, auf die Haut sprühte, habe ich meinen Kindern im Stillen Abbitte geleistet....wenn ich DAS gewusst hätte.
Wundschutzspray ist ein rezeptierbares Hilfsmittel!

Wundcreme: benutzen Sie diese nur, wenn notwendig, da diese unter Umständen die Haftfähigkeit der Versorgung nachteilig beeinflussen könnte. Wenn aber, dann auch hier eine direkte Produktempfehlung: Chiron Schutzcreme von SimCare. Vielfach von Stomaträgern getestet - sehr sparsam aufgetragen, lässt sie kleinere Irritationen schnell abklingen.
Auch die Chiron Hautschutzcreme ist ein rezeptierbares Hilfsmittel!

Weitere nützliche Dinge könnten sein: Ein Wasserhahn mit fließendem Wasser, ein Waschbecken, Wundschutzpuder, Wechselkleidung, Micky-Maus-Heft oder Roman für den Fall, daß etwas daneben geht, dann haben sie etwas zu lesen, während Sie putzen.

So - nachdem nun die wichtigen Dinge (Fortgeschrittene werden dann nur noch Beutel, Platte, Schere, Mülltüte, Zewa, Waschbecken und fließend Wasser haben) beisammen sind, gehen wir ans Eingemachte:

Der Versorgungswechsel