Krankenhaus -
"Menschen an meinem Weg"
Im Krankenhaus begegnete ich einer jungen Frau, die regelmäßig dort operiert wird, weil sie an ausgedehnten Fisteln leidet. Alle 6 Monate findet sie sich dort ein, damit diese Fisteln chirurgisch behandelt werden können - ohne nennenswerte Erfolge, versteht sich. Fisteln sind gemeingefährliche, hinterhältige Gegner eines Arztes...ihre Behandlung ist schwierig und langwierig und sie finden offenbar immer irgendeinen Weg, sich unangenehm wieder in Erinnerung zu bringen bzw. auf magische Weise wieder aufzuerstehen.....

Also, diese junge Frau hatte diverse Fistelgänge im unteren Darm-Scheidenbereich, denen einfach nicht Herr zu werden war...und nun hatte ihr der Doc gesagt, daß sie u.U, eine vorübergehende Stoma-Anlage ins Auge fassen solle, damit die Geschichte da unten ein für allemal ausheilen könne.

In dieser Situation sprach sie mich an und fragte mich nach meinem Stoma aus - wie es mir ginge, wie ich mich fühle und so weiter und so fort.

Meine Begeisterung für meinen "neuen" Zustand konnte sie nicht ganz nachvollziehen, und sie fragte mich ganz offen, ob ich nicht darunter leiden würde. Meine Antwort, daß ich mehr darunter gelitten habe, ständig mit vollge*******ten Hosen herumzulaufen und ich mich jetzt mehr als Mensch fühle denn als die Jahre zuvor, konnte sie bis zu einem gewissen Punkt sicherlich nachvollziehen.

Dennoch sagte sie zu mir:"Ich könnte damit nicht leben" - worauf ich ehrlicherweise zugeben musste, daß mir das Verständnis für jemanden, der sich freiwillig alle paar Monate unters Messer legt, auch fehlte. Meiner Meinung nach sollte ein geringeres Übel, nämlich für ein paar Monate mit einem Stoma rumzulaufen und danach von Fisteln und ähnlichem verschont zu bleiben, doch besser sein, als ständig dieser Eiertanz!

So standen wir da - beide etwa gleichen Alters und ich konnte ihr gar nicht so klar machen, warum für mich das Leben erst wieder angefangen hatte (und das, wo ich noch kaum auf meinen Beinen wieder stehen konnte). Aber schon da war mir irgendwie klar, daß ich mein Beutelchen behalten wollte - nie wieder in Situationen geraten, wie ich sie vorher geschildert habe.....dafür passieren andere Dinge: Nur Mut, Pleiten, Pech und Pannen gibt es mannigfach und an einigen möchte ich Sie gerne teilhaben lassen.

Nicht alles so ernst nehmen, wenn´s irgendwie geht - es gibt genug Anlässe, um Tränen zu vergießen.



































"Damit könnte ich nicht leben"